„Mehr Unterstützung für Jugendamt und freie Träger notwendig“

Im Aufgabenbereich des Jugendamtes des Wetteraukreises häufen sich die Hinweise auf zu hohe Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD), insbesondere im stationären Bereich bei freien Trägern und den Krisenteams der im Jugendamt Mitarbeitenden. Kaum eine Sitzung des Ausschusses für Jugend, Soziales, Familie, Gesundheit und Gleichstellung, sowie des Jugendhilfeausschusses, beschäftigt sich nicht mit der zunehmenden Überforderung bei der Erbringung der notwendigen Unterstützungsleistungen. In nahezu allen Bereichen gibt es Wartezeiten oder im Extremfall keine freien Plätze. Aus diesem Grund traf sich Landratskandidat Rouven Kötter mit dem sozialpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion im Wetterauer Kreistag Reimund Becker und Dr. Hermann Bruns, der unter anderem viele Jahre mit der Jugendhilfe Nidda in diesem Aufgabenfeld tätig war. 

„Es gibt aktuell eine deutlich spürbare Schieflage. Wir brauchen daher mehr Unterstützung für die Arbeit des Jugendamtes“, erläutert Dr. Bruns. „Die Situation hat sich in den vergangenen Monaten verschärft, hat sich aber schon seit vielen Jahren schleichend zugespitzt.“ Die Sicherstellung des Kindeswohls und des Kinderschutzes als auch die Ausübung des staatlichen Wächteramtes ergibt sich aus Artikel 6 des Grundgesetzes und ist im Familienrecht in § 1666 BGB geregelt und wird von den Jugendämtern und den Familiengerichten ausgeübt bzw. überwacht. „Hier besteht unverzüglicher Handlungsbedarf und Verantwortungsübernahme hauptamtlicher Entscheidungsträgerinnen und -träger“, so Dr. Bruns der auch Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses ist.  

„Um den Aufgaben zumindest in den Grundzügen verantwortbar nachzukommen, bedarf es zeitnaher verbindlicher Vereinbarungen mit anbietenden Trägern,  hinsichtlich der exklusiven Nutzung von differenzierten Inobhutnahme-Plätzen für den Wetteraukreis. Mittel- und längerfristig müssen die verantwortungsvollen und psychosozial recht belastenden Arbeitsbedingungen eine signifikante Verbesserung erfahren und damit deutlich konkurrenzfähiger werden. Sollte dies nicht gelingen, droht in absehbarer Zeit eine kaum zu verantwortende Handlungsunfähigkeit“, erläutert Bruns weiter.

„Hinter jeder Problemlage in diesem Bereich verbirgt sich ein junger Mensch, der Unterstützung benötigt“, zeigte sich Rouven Kötter betroffen. „Wir müssen auf die Akteure hören und die Schwachstellen anpacken. Der Fachkräftemangel wird die Lage noch verschärfen und stellt schon heute ein großes Problem dar. Er trifft besonders stationäre Arbeitsbereiche in allen Angebotsformaten.“ 
Reimund Becker ergänzt: „Besonders die Aufgaben des Jugendamtes müssen stärker in den Fokus gelangen, um die Auswirkungen in den zukünftigen Jahren abzumildern. Jetzt kann noch gehandelt werden, aber wir dürfen uns kein weiteres Zögern erlauben.“