Positives Zwischenfazit beim zweiten Regionalen Streuobstwiesentag im MainÄppelHaus Lohrberg

Im Jahr 2018 fand der erste Regionale Streuobstwiesentag im MainÄppelHaus Lohrberg statt. Die damals verabschiedete „Lohrberger Erklärung“ bildete den Auftakt für viele Maßnahmen zum Schutz von Streuobstwiesen, die der Regionalverband FrankfurtRheinMain gemeinsam mit vielen engagierten Akteurinnen und Akteuren seitdem auf den Weg bringen konnte. 

Fünf Jahre später ist es an der Zeit, das Erreichte zu reflektieren und neue Ziele zu formulieren. Dazu lud der Regionalverband zum zweiten Regionalen Streuobsttag ein, der am 8.9.2023 im traditionsreichen MainÄppelHaus Lohrberg stattfand. 

In seinen einleitenden Worten zog Rouven Kötter, Erster Beigeordneter des Regionalverbandes und zuständig für Nachhaltigkeit, ein positives und zugleich vielfältiges Zwischenfazit zum Streuobstwiesenschutz in der Region. „Mit dem ersten Regionalen Streuobsttag und der ‚Lohrberger Erklärung‘ begann ein strukturierter Prozess, der neben einer Bestandsanalyse klare Ziele enthielt. Wir vom Regionalverband haben Wort gehalten und diese damals formulierten fünf Zielaufgaben in die Tat umgesetzt. Erstens haben wir mit dem Regionalen Streuobstbeauftragten einen zentralen Ansprechpartner geschaffen und mit der Website http://www.streuobst-frm.dedas dazugehörige Infoportal. Zweitens wurde eine Datenbank aufgebaut, das Streuobstkataster. Drittens hat der Regionalverband eine Streuobstbörse und eine Übersicht regionaler Streuobstakteure eingerichtet. Im Sinne der vierten Aufgabe, nämlich umfassende Aufklärung und Schulung, bietet der Regionalverband mit dem MainÄppelHaus die Fortbildung zum Zertifizierten Landschaftsobstbauer für kommunale Beschäftigte an. Und last but not least geben wir das Magazin „Der Apfelbote“ heraus, um die Streuobstwiesen als Räume des Erlebens und Erholens bekannter zu machen. Dazu zählen auch attraktive wie einheitlich ausgeschildete Apfelwein- und Obstwiesenrouten zum Wandern und Radfahren“, so Kötter.

Weitere Erfolge sind aus Rouven Kötters Sicht die Etablierung des MainÄppelHauses als Regionales Streuobstzentrums und der vom Regionalverband jährlich ausgelobte Wettbewerb „Streuobstkommune des Jahres“. 
Neben all diesen Erfolgen gibt es für den Ersten Beigeordneten auch einen Wermutstropfen zu verzeichnen: „Leider gab es vom Land Hessen nicht den erhofften Rückenwind für die auskömmliche Finanzierung des Regionalen Streuobstzentrums MainÄppelHaus. Insgesamt denke ich: Wir haben viel erreicht, doch es gibt auch noch viel zu tun. Als Regionalverband werden wir weiter gemeinsam mit den Streuobstakteuren der Region anpacken.“

Viele Erfolgstories, zugleich gibt es große Aufgaben – so sieht es auch Gerhard Weinrich, Leiter des regionalen Streuobstzentrums MainÄppelHaus Lohrberg: „Es konnte viel umgesetzt werden, doch die Herausforderungen sind weiter groß. Am wichtigsten ist es, Kommunen ebenso wie private Besitzer und Pächter dazu zu bewegen, ihre Wiesen zu pflegen. Ermutigend ist, wie gewaltig das Interesse inzwischen ist. Unsere Veranstaltungen im MainÄppelHaus sind super besucht. Hatten wir vor ein paar Jahren nur einen Sensen-Kurs im Angebot, sind es heute drei. Viele und oft auch jüngere Menschen haben die Arbeit in der Natur wiederentdeckt und wollen sich engagieren. Dabei hat sich auch gezeigt, dass sie oft Unterstützung und Anleitung benötigen. Das braucht Zeit, Geld und Personal, und hieran fehlt es. Daher erwarte ich mir hier vor allem vom Land Hessen deutlich mehr Engagement“, so Weinrich.

Ein zentraler Dreh- und Angelpunkt werden auch weiterhin die Vernetzung und Kommunikation sein, damit Streuobstwiesenschutz und die Streuobstwiesenkultur im Gespräch bleiben und sich noch mehr Leute in unserer Region dafür engagieren: „Der Bedarf an Infos und Austausch ist nach wie vor sehr hoch. Hier geht es um Grundsätzliches wie das Pflanzen von Obstbäumen, das Anlegen einer Streuobstwiese, aber auch um komplexere Fragen zum Klimawandel oder Fördermöglichkeiten für Kommunen, Landwirte oder Privatpersonen. Insbesondere bei der Streuobst-Förderung wünsche ich mir seitens der zuständigen Stellen mehr Transparenz, denn der derzeitige ‚Förderdschungel‘ ist nur schwer zu durchschauen. Der Vernetzungsbedarf spiegelt sich auch in den Anmeldezahlen des Streuobsttages wieder: Mit rund 100 Teilnehmenden aus unseren Verbandskommunen, Naturschutzverbänden und -initiativen, Obst- und Gartenbauvereinen, aber auch vielen privaten Streuobstinteressierten ist die heutige Veranstaltung sehr gut besucht“, sagte Bastian Sauer, Regionaler Streuobstbeauftragter des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain.

Neben Vorträgen des Regionalverbandes stellte Barbara Helling, vormalige Geschäftsführerin des Vereins Main-Taunus Naturlandschaft und Streuobst eine neue klimaresiliente Pflanzmethode für Streuobstbäume vor. Gerd Bauschmann (Berater Streuobst-Charakterarten, Staatliche Vogelschutzwarte; Vorsitzender Weidewelt e.V.) referierte zum Thema Mahd und Nutzung und Pflege des Grünlands von Streuobstbeständen.

Zeitlich parallel zum zweiten Regionalen Streuobsttag fand auf dem Gelände des MainÄppelHauses ein Streuobstfest statt. Geboten wurde ein vielfältiges Programm mit beispielsweise Äppel-Bistro, Hofladen, Apfelweingarten, Schaukeltern der Mobilen Kelterei, Schafen, Sensen und Dengeln.

Streuobsttag und Streuobstfest auf dem Lohrberg bildeten außerdem den Auftakt zur CiderWeek’23, bei der bis zum 24. September in Restaurants, Bars, Vinotheken und Kinos in Frankfurt und der Region spannende Veranstaltungen rund um Apfelwein, Cider & Co. besucht werden können.

Quelle: Pressedienst des Regionalverbands FrankfurtRheinMain